Um es vorwegzunehmen: Sinns Buch aus dem Jahre 2008, das seit März diesen Jahres in aktualisierter Fassung vorliegt, sei sowohl umweltpolitischen Novizen als auch Profis dringend zur Lektüre empfohlen. Für Einsteiger ins Thema bietet es eine gut nachvollziehbare Einführung in die naturwissenschaftlich-technischen Hintergründe des Klimawandels sowie eine gute Übersicht zu den zentralen klimapolitischen Maßnahmen im nationalen und internationalen Maßstab. Für Umweltexperten dürften Sinns volkswirtschaftliche Analysen und provokanten Hypothesen zu den nicht-intendierten Rückkoppelungseffekten der Umweltpolitik zumindest wichtige Denkanstöße geben. Das heißt nicht, dass man Sinn pauschal zustimmen müsste. Im Gegenteil. Wie ich in diesem Beitrag zu zeigen versuche, kann man in zentralen Fragen auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen.

Aber beginnen wir zunächst mit der – zugegebenermaßen recht groben -Zusammenfassung der Kernthesen von Sinns mehr als 500 Seiten starkem Buch:

  • Der Klimawandel ist real und wird ab Mitte dieses Jahrhunderts zu einer ernsten globalen Bedrohung, falls die Extraktion und Verbrennung von Kohlenstoff ungebremst fortschreitet. Gelingt es nicht, die durch Treibhausgase verursachte Erwärmung auf zwei Grad Celsius einzudämmen, treten selbstverstärkende Effekte auf, durch die sich die Aufheizung der Atmosphäre beschleunigt.
  • Um die Klimakatastrophe in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu verhindern, sollten fossile Brennstoffe langsamer verbraucht werden, so dass die Natur mehr Zeit hat, die Emissionen zu absorbieren bzw. auf natürliche Weise abzubauen.
  • Die von der Politik geförderte Erschließung neuer Energiequellen führt jedoch dazu, dass sich die Ressourcenbesitzer (insbesondere von Öl und Gas) genötigt sehen, ihre Bestände möglichst schnell auf den Markt zu werfen, bevor sie substituiert bzw. durch Fortschritte im Bereich der erneuerbaren Energien entwertet werden. Wenn also die Nachfrageseite über Subventionen grüne Technologien voranbringt, veranlasst dies die Besitzer der Öl- und Gasquellen nur zu einer schnelleren Extraktion der Kohlenstoffe, auch wenn dies zu Preissenkungen führt. Die Klimapolitik bewirkt nach dieser Logik das Gegenteil von dem, was sie anstrebt. Das nennt Sinn das „Grüne Paradoxon“. In seinen eigenen Worten liest sich das so:

“Bedrohen wir die Ressourcenbesitzer mit einer immer grüner werdenden Politik, die ihnen das zukünftige Geschäft kaput macht […], kommen sie der Bedrohung zuvor und fördern ihre Bodenschätze nur noch schneller. Statt den Klimawandel zu bremsen, beschleunigen wir ihn. Das ist das grüne Paradoxon, das diesem Buch seinen Titel gab.” (Prolog, S. 19)

  • Die Substitution von fossilen Brennstoffen durch erneuerbare Energien führt in dieser Logik außerdem zu sinkenden Weltmarktpreisen für fossile Brennstoffe, was wiederum den Verbrauch in den nicht grün gesinnten Volkswirtschaften in die Höhe schnellen lässt. Im Ergebnis, so Sinn, ist der Nettoeffekt für das Klima Null oder möglicherweise sogar negativ.
  • Ein weiteres von Sinn „aufgedecktes“ Paradoxon betrifft den Zusammenhang zwischen dem CO2-Zertifikatehandel in der EU und den Subventionen für erneuerbare Energiequellen in Deutschland in Gestalt des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz zur Regelung der Einspeisetarife). Auch hier ist laut Sinn der Nettoeffekt bezogen auf CO2-Emissionsvermeidung bestenfalls Null, weil deutsche Unternehmen infolge des Bezugs von Ökostrom ihre dann weniger benötigten Verschmutzungsrechte auf den Zertifikate-Markt würfen, was wiederum zu einer Verbilligung der Zertifikate führen würde – mit dem Ergebnis, dass dann eben anderswo in Europa die Verschmutzung stattfände. Das Weltklima hätte also nichts davon, aber der deutsche Verbraucher müsste einen höheren Strompreis zahlen. Dass der Zertifikate-Handel nur einen Teil der verschmutzungsverursachenden Industrien abdeckt – vornehmlich Kraftwerke, aber z.B. nicht den Chemie und Autosektor – ist ein weiteres Problem.
  • Neben dem Zertifikate-Handel hält Sinn auch Ökosteuern für ein grundsätzlich sinnvolles Instrument, sofern es einen einheitlichen Preis je emittierter CO2-Menge gäbe. Diese Bedingung sei aber in Deutschland verletzt, weil hier z.B. die Tonne CO2 bei Benzin mit €273 besteuert werde, die Tonne Steinkohle für Heizungszwecke dagegen nur mit €4. Der Staat maße sich an, Technologien besser einschätzen zu können als der Markt. Daraus folge eine Fehlallokation von Fördermitteln.Zum Potential der erneuerbaren Energien hat Sinn eine überwiegend skeptische Sicht:
    • Windenergie kann aus Sicht von Sinn die Atomstromlücke vor allem aufgrund des enormen Flächenbedarfs von Windrädern nicht schließen.
    • Solarzellen spricht Sinn auf absehbare Zeit die Perspektive ab, kostenseitig auch nur annähernd mit den Preisen fossiler Brennstoffe konkurrieren zu können. Dies sei  nur mit massiven, nicht-marktgerechten Subventionen möglich
    • „Clean Coal“, also die Verflüssigung von CO2 aus Kohlekraftwerken und die Sequestrierung im Boden (z.B. in Bergwerkschächten) hält Sinn nur im kleinen Maßstab für sicher durchführbar.
    • Die Produktion von Biotreibstoffen hält Sinn für hochriskant, da hierdurch die Nahrungsmittelpreise steigen, was Hungerkatastrophen und unkalkulierbare soziale Unruhen zur Folge haben könne.

Sinn sieht vier Lösungsansätze, um den Klimawandel doch noch zu verlangsamen:

  • Ein weltweit ratifiziertes Super-Kioto zur Bildung eines weltweiten Nachfragekartells, das die Ressourcenanbieter zwingt, die Kohlenstoffextraktion zu reduzieren.
  • Eine weltweite Quellensteuer, die Anlage von Geld aus dem Ressourcengeschäft unattraktiver macht und die Ressourcenbesitzer dazu veranlasst, ihre Förderung kurzfristig zu drosseln, um langfristig bei steigenden Preisen mehr zu profitieren
  • Verstärkte Investitionen in die Weiterentwicklung (insbesondere in Hinblick auf Sicherheitstechnik und Entsorgung) und Expansion der Atomenergie, da sie unter den Kriterien Kosten und CO2-Vermeidung alternativlos sei
  • Eine radikale Aufforstung des weltweiten Baumbestandes bei gleichzeitigem Stopp der Brandrohdung, um den natürlichen CO2-Abbau zu forcieren

Sinn fährt hier am Ende seines Buches in mehrerlei Hinsicht schwere Geschütze auf. Würde man diese Lösungsansätze ohne ihre Herleitung lesen, könnte man meinen, Sinn sei unter die Utopisten gegangen. Mit Kenntnis ihrer Herleitung muten sie wie Achsel-zuckende Resignation an nach dem Motto: Der Patient ist kaum noch zu retten, weil die hierfür notwendigen Maßnahmen politisch kaum zu realisieren sein werden. Diese Schlussfolgerung formuliert Sinn allerdings nicht selbst, sondern überlässt sie dem geneigten Leser.

Nun kann Resignation ja durchaus rational sein, wenn die Herausforderungen realistischer Weise nicht zu bewältigen sind. Aber wie zwingend ist Sinns Argumentation wirklich?

Ob Sinns skeptische Einschätzung der Effizienzpotenziale erneuerbarer Energien zutrifft, ist eine von technischen Experten zu beantwortende Frage. Auffällig ist indes, dass Sinn wiederholt die geringe aktuelle Relevanz von „grünen“ Technologien hervorhebt, z.B. bezogen auf Photovoltaik, anstatt klarere Aussagen zu den Lernkurven und zukünftigen Kostensenkungspotenzialen dieser Technologien zu machen.

Erwähnt sei an dieser Stelle, dass die von der European Climate Foundation beauftragte und in wesentlichen Teilen von McKinsey erarbeitete Studie „Roadmap 2050“ eine 80 prozentige CO2-Reduzierung in der EU innerhalb der nächsten 40 Jahre technisch für möglich hält, wenn das gesamte Portfolio der zur Verfügung stehenden Instrumente – von Wasserkraft über Solar- und Windenergie bis hin zur Geothermie – zum Einsatz komme und sich gleichzeitig die Elektromobilität massiv durchsetzt. Atomstrom und CO2-Lagerung im Boden spielen in diesen Szenarien ebenfalls eine wichtige Rolle.

Aber ungeachtet der technischen Bewertung, lohnt es sich, Sinns argumentative Konsistenz kritisch zu prüfen.

Zu den Paradoxien des „Grünen Paradoxon“

Beginnen wir mit dem Kernargument, dass die Angebotsseite nur in geringem Maße preissensitiv sei, d.h. die Ressourcenbesitzer verringern nach dieser Lesart ihr Angebot nicht, wenn der Preis infolge sinkender Nachfrage zurückgeht. Die Furcht vor einer langfristigen Substitution führt vor dem Hintergrund dieser Annahme zu einer kurzfristigen Vermehrung des Angebots, weil die Ressourcenbesitzer lieber „auscashen“ wollen, bevor ihre Ressourcen entwertet werden. Diese Logik erscheint plausibel, aber ist ihr Eintreten auch wahrscheinlich?

Sinn argumentiert, dass Solarzellen nicht einmal annähernd die Kosteneffizienz von Öl und Gas erreichen werden (bezogen auf kinetische Energie), der Windenergie aufgrund der Flächenrestriktionen enge Grenzen gesetzt sind und auch CO2-Endlagerung im Boden nicht die Lösung ist. Wenn diese recht allgemeinen Einschätzungen stimmen, dann besteht doch gar kein Grund für die Ressourcenbesitzer, ihre fossilen Brennstoffe schneller zu extrahieren und in die Atmosphäre zu blasen, es sei denn es gäbe einen künstlichen Substitutionsdruck via Subventionen. Mit anderen Worten: Die Annahme einer Koinzidenz beider Szenarien, die begrenzte Substitutionseffizienz grüner Energieerzeugung bzw CO2-Endlagerung und die Entwertungsfurcht der Ressourcenbesitzer, wäre nur dann plausibel, wenn die Besitzer fossiler Brennstoffe die massive Subventionierung erneuerbarer Energien weltweit befürchten müssten, d.h. wenn sozusagen der deutsche Fall die Regel wird. Aber genau das stellt Sinn ja in Abrede, weil er davon ausgeht, dass Länder wie die USA und China eben eher ihren individuellen Vorteil suchen und weiterhin billiges Öl/Gas verbrauchen würden, als an der Subventionsschraube zu drehen oder andere Maßnahmen zu ergreifen, die fossile Brennstoffe in großem Umfang ersetzen.

Ein weiteres Beispiel für mangelnde argumentative Konsistenz stellt das Kapitel über die Atomenergie dar. Würde Deutschland, dem Beispiel Frankreichs folgend, Kohlekraftwerke durch Atomkraftwerke substituieren, dann hätte das auf den Zertifikate-Markt den gleichen Effekt wie die vermehrte Produktion von Wind- oder Sonnenenergie: Die Zertifikate würden sich verbilligen, so dass anderswo die Verschmutzung fortschreiten kann. Es ist erstaunlich, dass Sinn seine eigene Logik nicht auf die Atomenergie anwendet.

Nach der Logik des „Grünen Paradoxons“ müsste im übrigen auch der Ausbau der Atomenergie die Substitutionsängste der erdölfördernden Staaten schüren und damit die Extraktionsgeschwindigkeit beschleunigen. Auf diese Implikation geht Sinn nicht näher ein. Unscharf bleiben auch die Implikationen aus der Internalisierung der Versicherungskosten für Atomenergieunfälle. Sinn erwähnt zwar, dass diese Kosten eingepreist und idealerweise über externe Anleger finanziert werden sollten, die Kostenvergleiche mit fossilen und erneuerbaren Energieträgern finden aber auf der Ebene der Ist-Kosten statt. Gerne hätte man hier zumindest preisliche Szenarien gesehen.

Wünschenswert wären außerdem klarere Aussagen und Szenarien, wie schnell man im Zertifikate-System die zulässigen EU-Emissionsvolumina senken sollte, insbesondere im Hinblick auf den industriellen Kostenwettbewerb mit Ländern außerhalb der EU. Das Ergebnis dieser Betrachtung würde sich auf Sinns Kernargument unmittelbar auswirken: Werden die Emissionsreduktionsziele aggressiver gesetzt, kann der Verbilligung durch grüne Technologien entgegengewirkt werden. Dieser Aspekt wird von Sinn zwar erwähnt, aber keiner detaillierteren Analyse unterzogen, was insofern seltsam anmutet, als es sein Kernargument zentral betrifft.

Zusammenfassend lässt sich also folgern: Die im „Grünen Paradoxon“ enthaltene Annahme, dass die grüne Klimapolitik Deutschlands und der EU die Ressourcenbesitzer zu einer schnelleren Extraktion ihrer Bodenschätze veranlasst, ist unlogisch: Wenn USA und China sich  in der Frage der CO2-Reduktion gegenüber Europa unkooperativ verhalten, verkaufen die Ressourcenbesitzer ihr Brennstoffe eben nicht mehr an Europa, sondern an den Rest der Welt. In diesem Fall hätte die grüne EU-Politik den Ressourcenabbau zwar nicht aufgehalten, aber auch nicht beschleunigt, weil ja gar keine globale Substitution der Kohlenstoff-Ressourcen droht. Wenn nun aber die außereuropäischen Supermächte sich für den grünen Weg entscheiden, dann ist ja der Weg frei für ein “Super-Kioto”, so dass das Grüne Paradoxon ebenfalls nicht eintritt.  Das Sinnsche Szenario droht eigentlich nur, wenn zwischen der Absichtserklärung, ein Super-Kioto, d.h. also ein globales grünes Nachfragekartell, zu bilden und der Umsetzung zu viel Zeit verstreicht. Das wäre dann in der Tat das Signal für einen Ressourcenausverkauf, aber das ist eben auch kein sehr wahrscheinliches Szenario. Viel bedrohlicher als das Grüne Paradoxon ist m.E.  eine unvollständige oder zu langsame Umsetzung der „Roadmap 2050“  (die Gründe hierfür, die viel mit politischen Stukturen zu tun haben, sprengen den Rahmen dieses Beitrags), so dass nicht einmal die Chance auf signifikante Substitutionsprozesse fossiler Energieträger besteht.

Gesinnungsethik als Voraussetzung für Fortschritt?

Nachdem nun die Implikationen von Sinns zentraler Argumentation kritisch betrachtet wurden, soll im Folgenden über das dem „Grünen Paradoxon“ zugrunde liegende Zielsystem nachgedacht werden.

Das primäre politische Ziel ist die Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen. Ein zweites, auch von Sinn erwähntes Ziel ist die Energie-bezogene Versorgungssicherheit angesichts zunehmender Verknappung preisgünstiger fossiler Brennstoffe. Drittens schließlich soll auch der soziale Frieden erhalten werden, was durch die preissteigernde Wirkung von Biosprit auf Lebensmittel gefährdet erscheint.

Es gibt noch ein viertes Ziel, oder ökonomisch ausgedrückt, eine vierte Nutzenfunktion: Man kann den Wunsch der Verbraucher, Sonnen- oder Windenergie zu nutzen, als eine Art Markenpräferenz verstehen, die einen emotionalen Nutzen stiftet. Der demokratisch legitimierte Staat transformiert diese Präferenz in entsprechende Förderprogramme unabhängig von ihren kurzfristigen globalen Effekten. Deutschland wird sozusagen zum Öko-Missionar, weil es den emotionalen Nutzen bei vielen Bürgern erhöht, oder anders gesagt, weil es die Werte dieser Bürger wiederspiegelt. Wenn früher das Zweitauto Glücksgefühle hervorrief, so ist es morgen eben der Beitrag zur Naturerhaltung. Siehe Ausstieg aus der Atomenergie. Auch Preiserhöhungen werden hier offenbar von großen Teilen der Bevölkerung in Kauf genommen.

Schuldig macht sich die Politik gegenüber den Bürgern allerding dann, wenn die emotionale Nutzenmaximierung auf irreführenden oder gar falschen Versprechungen beruht. Das ist übrigens auch bei Marken so, um auf die Analogie zurückzukommen: Wenn das Markenversprechen nicht mit der tatsächlichen Produktleistung übereinstimmt, erodiert die Markentreue und der damit verbundene emotionale Nutzen.

Aber was ist das Versprechen der Klimapolitik? Es dürfte den meisten Bürgern klar sein, dass die nationale oder selbst die EU-Gesetzgebung das Weltklima per se nicht retten kann (in diesem Punkt hält Sinn m.E. die Bürger für dümmer als sie tatsächlich sind). Das Versprechen scheint mir eher darin zu bestehen, nationaler „Vorreiter“ einer fortschrittlichen Klimapolitik zu sein, wohl wissend, dass diese nur im globalen Rahmen wirkt, und hoffend, dass über ein Erfolgsbeispiel andere Staaten zum Mitmachen motiviert werden.

Das besondere dabei ist: Klimapolitik wird gewissermaßen zur individuellen und kollektiven moralischen Pflicht, auch wenn der Erfolg nicht nur von einem selbst abhängt und sich möglicherweise auch gar nicht einstellt. Simpel ausgedrückt: Selbst wenn der nationale Alleingang für sich genommen nichts bringt, muss man es dennoch tun, um ein Zeichen zu setzen. Diese Unbedingtheit könnte man als „gesinnungsethisch“ betrachten, aber nicht wie bei Max Weber mit einem abwertenden Beigeschmack, sondern positiv als Ausdruck eines starken motivationalen Antriebs.

Ob eine derartige moralische Vorreiterrolle tatsächlich „naiv“ ist, wie Sinn meint, bleibt abzuwarten. Moralisierung hat schon in anderen Zusammenhängen gewirkt. So sind beispielsweise menschheitsgeschichtliche Errungenschaften wie die Ächtung von Sklaven- und Kinderarbeit nicht allein ökonomisch zu erklären. Auch wenn beispielsweise China die Menschenrechte nach wie vor mit Füßen tritt, geht auch an den dortigen Machthabern die Mobilisierung der Weltöffentlichkeit nicht spurlos vorbei. Beim Thema Klima dürfte der interkulturelle gemeinsame Nenner eher größer als kleiner sein, geht es immerhin um die Bewahrung der eigenen Lebenswelt.

Angesichts des steinigen Weges, den die globale Klimapolitik vor sich hat, ist jedenfalls unklar, wie sich Sinn politisch die Genese eines Super-Kioto ohne Massenmobilisierung qua Moralisierung vorstellt. Vernunftgründe alleine werden kaum ausreichen, um die massiven interessenpolitischen Widerstände auf Seiten der negativ betroffenen Industrien in den „grünen“ Ländern zu überwinden. Der Vorwurf der Naivität lässt sich an dieser Stelle leicht an den Absender zurück senden.

Fazit

Es ist eigentlich erstaunlich, warum Sinns Buch, das zum produktiven Widerspruch und erhellender Diskussion einlädt, in der deutschen Blogosphäre sowie auch in anderen öffentlichen Foren nicht stärkere inhaltliche Resonanz jenseits oberflächlicher Verurteilungen und Beifallsbekundungen findet. Die Auseinandersetzung lohnt sich! „Paradox“ ist allerdings, das gerade das Ernstnehmen und „Zu Ende Denken“ der von Sinn aufgezeigten Wirkungszusammenhänge zu Schlussfolgerungen führt, die eher für als gegen die aktuelle deutsche Klimapolitik sprechen und somit teilweise deutlich von Sinns Interpretation abweichen.

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